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„Dominant?“ – „Ja. Auch." Veröffentlicht im Magazin "Beste Jahre"

Sein Name ist jeden Tag in der Presse zu lesen und es gibt wohl kaum einen Regensburger, der ihn nicht kennt: Seit mehr als elf Jahren lenkt Hans Schaidinger als Oberbürgermeister die Geschicke der Stadt. Für viele ist er schlicht und einfach das Stadtoberhaupt – und ein Politiker, dem in der breiten Medienöffentlichkeit signifi- kant häufig das Attribut „dominant“ zugesprochen wird. Diese Eigenschaft weist er nicht von sich – im Gegenteil: „In meiner Position muss man führen wollen und können.“ Aber er sagt auch: „In mir stecken mehr Emotionen als man glaubt"
Das Büro von Hans Schaidinger im Alten Rathaus ist kaum zu verfehlen: Über dem Eingang zu seinem Vorzimmer prangen golden die Stadtschlüssel und daneben ein Schild mit der Aufschrift „Büro des Oberbürgermeisters“.
Just als ich zum Klopfen ansetzen will, öffnet sich die altehrwürdige Holztür und heraus kommen einige Herren im Anzug. Nach einem kräftigen Handschlag zur Begrüßung kommt Schaidinger auch gleich „zur Sache“: „Macht es Ihnen etwas aus, wenn ich während des Interviews mein Mittagessen zu mir nehme? Ich hatte noch keine Zeit dafür und mir knurrt der Magen.“ Ich muss lachen und natürlich habe ich nichts dagegen, denn wie heißt es so schön: „Wer arbeitet,muss auch essen“, und dass sich bei Hans Schaidinger ein Termin an den anderen reiht, ist schließlich kein Geheimnis.
Seit 1996 ist er der Kopf an der Regensburger Stadtspitze, bei der Kommunalwahl 2002 wurde er in seinem Amt als Oberbürgermeister bestätigt: Neben politischen Pflichten füllen auch repräsentative Aufgaben seinen Terminkalender. Das alles nimmt Zeit in Anspruch.
Besonders seit er im Februar 2005 zum Vorsitzenden des Bayerischen Städtetags gewählt wurde, sind seine „freien“ Stunden auf ein Minimum geschrumpft. „Es gehört zu meinem Beruf dazu, dass Freizeit rar ist, das liegt in der Natur der Sache und ist völlig in Ordnung“, so Schaidinger.
„Aber es ist für meine Familie und mich wichtig, dass diese wenigen Stunden oder Tage dann auch wirklich privat sind.“ Sein Leben außerhalb der Rathausmauern schützt er wie ein Löwe. Aus diesem Grund weiß man nur wenig über ihn, bekannt ist aber, spätestens seit seinem, in den Medien immer und immer wiedergekäuten Beinbruch, den er sich kurz vor dem Papstbesuch im letzten Jahr beim Wandern zugezogen hatte, dass er gerne frische Bergluft beim „Kraxeln“ tankt. Auch sonst ist er alles andere als bewegungsfaul: „Beim Sport kann ich abschalten und meine Gedanken kreisen lassen“, erzählt er. Vor allem beim Radfahren füllt er seine Energiereserven auf. „Leider ist das zurzeit nur selten möglich, der Sport geht mir manchmal schon ab.“ Eine Couchpotatoe scheint er aber selbst ohne den Sport nicht zu sein. Bewegung gibt es auch zuhause, denn wenn da etwas bröckelt und bröselt, muss er ran: „Ich bin für alle Reparaturarbeiten zuständig. Wenn etwas kaputt ist, bekomme ich von meiner Frau den Auftrag, es wieder zu richten.“ Dafür zieht er sich dann meist in seine Werkstatt im Keller seines Heims zurück. Vom Auswechseln der kaputten Birne bis zu aufwendigen Schreinerarbeiten hat er alles schon gemacht. „Ich habe damals sogar unser erstes Wohnzimmer komplett selbst geschreinert“, erzählt er und fügt hinzu, „aus Kostengründen.“
Was viele nicht wissen: Neben dem OB und seiner Frau Edelgard gibt es noch einen weiteren Bewohner im Hause Schaidinger: Stubentiger Mimi – eine norwegische Waldkatze. „Wir beide waren schon in unserer Kindheit von Katzen umgeben“, erzählt er. „Die haben es uns einfach angetan.“
Katzenliebhabern wird gemeinhin ja nachgesagt, außerordentlich tolerant zu sein – ein Wesenszug, den nicht wenige Hans Schaidinger kategorisch absprechen würden, denn Toleranz mag zu seinem Image als „harter Hund“, wie er es selbst formuliert, gar nicht recht passen. Zwar stört ihn dieser Ruf nicht, aber konform geht er damit trotzdem nicht: „Das, was viele als „hart“ empfinden, ist eher Disziplin“, sagt er. „Und die ist notwendig und gut und wichtig.“ Angeeignet hat er sie sich unter anderem während seiner Zeit bei der Bundeswehr, für deren Dienst er sich direkt nach bestandenem Abitur auf zwei Jahre verpflichtet hatte. Diese Zeit war für Schaidinger wegweisend: Es waren Lehrjahre, denn als Soldat erhielt er nicht nur den körperlichen Feinschliff, sondern auch ein umfangreiches Training in punkto Führungsverantwortung. „Ich bekam die Gelegenheit, Gruppen zu führen und kleinere Übungseinsätze zu leiten. Das war ein ganz wichtiger Baustein für das, was ich heute mache.“ Auch von einem anderen Blickwinkel aus wir dieser Lebensabschnitt prägend, denn während dieser Zeit traf ihn auch Amors Pfeil.
Dass Hans Schaidinger ein Mann ist, der Nägel mit Köpfen macht, ist hinreichend bekannt. Auch in der Liebe fackelte er nicht lange. „Meine Frau und ich heirateten nach einem Jahr.“ Ich pfeife durch die Zähne und Schaidinger lacht: „Das mag vielleicht in der heutigen Zeit rasant erscheinen, aber wir waren uns einfach einig.“ Schaidinger ist zweifacher Vater. Seine Tochter Saskia kam 1977 zur Welt – im selben Jahr, in dem er seinen Abschluss als Diplom-Volkswirt an der Universität Regensburg machte. Dass es aber überhaupt zu einem Hochschulstudium kam, war alles andere als selbstverständlich. „Damals war es keineswegs üblich, dass Kinder aus einfacheren oder durchschnittlichen Verhältnissen das Gymnasium besucht haben“, erinnert er sich. Das sei nur etwas für „die Besseren“ gewesen – und zu denen habe seine Familie nicht gehört.
Er wuchs mit seiner Schwester in Freilassing auf. Entgegen der „Familientradition“ – Schaidingers Linie lässt sich 400 Jahre zurückverfolgen – waren seine Eltern keine Bauern, sein Vater arbeitete als Postbeamter, die Mutter als Hausfrau. „Wir waren weder arm noch reich“, erzählt er. „Man kann wohl sagen, ich hatte so etwas wie eine idyllische Kindheit.“
Ein Musterschüler sei er nicht gewesen, erinnert sich Schaidinger und lacht. „Zumindest nicht in der Grundschule. Ich war absoluter Durchschnitt. Es gab so viele Dinge, für die ich mich mehr interessierte als für das Lernen.“ Das änderte sich aber mit dem Wechsel auf die Realschule: Die guten Noten hielten Einzug – mit einer Ausnahme: „Ich hatte einmal in einem Zeugnis nur Einsen und Zweien und eine Fünf.“ Das Fach, das Schaidinger auch heute noch as Gesicht verziehen lässt, hieß „Steno“. „Das war gar nicht mein Ding.“ Seine aber ansonsten sehr guten Leistungen brachten ihn letztlich doch aufs Gymnasium. „Das hat mich schon mit Ehrfurcht erfüllt“, erzählt er. „Bis ich dann dort war und gemerkt hab’, dass die auch nur mit Wasser kochen.“ Schaidingers politische Ader fing zeitig an zu pulsieren. „Es begann damit, dass in der Realschule das Fach Sozialkunde eingeführt wurde. Das hat mich sofort fasziniert“, erinnert er sich. Zudem fiel seine Teenagerzeit mit der Epoche der Schülerbewegungen zusammen, in denen er sich stark engagierte. Das alles formte seinen politischen Geist und er trat im Alter von 18 Jahren der Jungen Union bei. Berufspolitiker zu werden war dennoch keine Option für ihn. „Daran habe ich nicht im Geringsten gedacht“ lacht er. Als er 1978 als Sachbearbeiter beim Amt für Stadtentwicklung und Statistik in den Dienst der Stadt Regensburg eintrat, ahnte er also nicht, dass er knapp 20 Jahre später auf dem OB-Stuhl Platz nehmen würde. Trotzdem kletterte er die Leiter zügig hinauf: 1983 wurde er zum Amtsleiter befördert, später erweiterte sich seine Zuständigkeit um den Bereich Wirtschaftsförderung.
Trotz dieser Karriere schied er einige Jahre später auf eigenen Wunsch aus und arbeitete von 1991 bis 1996 als Bereichsleiter bei der DIBAG Industriebau AG in München. Damals pendelte er zwischen Regensburg und der bayerischen Hauptstadt hin und her, seine Familie sah er nur am Wochenende. „Früher war ich nicht zuhause und habe meine Familie nur am Wochenende gesehen.
Heute ist es umgekehrt und gleichzeitig doch nicht: Ich bin zuhause, aber meine Familie sehe ich trotzdem nicht.“ Er schmunzelt: „Es hat sich also kaum was verändert.“ Hans Schaidinger bezeichnet sich selbst als „ausgesprochen neugierig“.
Er sagt sogar: „Neugier ist die Triebfeder meiner Existenz.“
Eine Eigenschaft, die täglich fulminante Erfüllung findet, schließlich sitzt man als OB bei vielen Ereignissen in der ersten Reihe. „Es gibt schon Erlebnisse, die mich auch im Nachhinein immer noch emotional werden lassen“, erzählt er. „Eines davon ist der Augenblick, als ich von der Aufnahme Regensburgs in die Liste des UNESCO-Welterbes erfahren habe. Das war einfach unbeschreiblich!“ Aber es gibt auch traurige Momente, an die er sich erinnert: „Beim Abschiedskonzert des Heeresmusikcorps sind einige Tränen geflossen.“
Man merkt ihm an, dass ihm das Schicksal der Soldaten in Regensburg nahe geht, dann aber grinst er: „ZumGlück war es dunkel und keiner hat’s gesehen.“ Trotz seines abwechslungsreichen Arbeitslebens hat Schaidinger einen Wunsch, den er sich bislang noch nicht erfüllt hat: „Ich möchte Klarinette spielen lernen. Das hab ich mir fest vorgenommen.“Die musikalischen Ambitionen sind ernst gemeint: „Ich habe als Kind Akkordeon gelernt – und jetzt bin ich traurig, dass ich da nicht drangeblieben bin. Bei der Sing- und Musikschule bin ich bereits vorgemerkt.“ Auf die Frage, ob es denn dann auch irgendwann etwas von ihm zu Hören geben wird, lacht er: „Wer weiß. Wenn ich gut genug bin, ist das durchaus möglich.“
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